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Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit stärken – durch Kommunikation, Teamwork und Eigenverantwortung.

Rückenwind

Wie ist dem kommenden Pflegenotstand zu begegnen?

Die Dachstiftung Diakonie erhielt für ihr europäisch gefördertes Projekt „Selbst-bewusst – für eine neue Kultur der Pflege“ von Fachleuten viel Zuspruch und Ermutigung bei ihrer Projekt-Zwischentagung am Dienstag, 22. April in Hannover. 70 Fachleute und Kräfte aus der Pflege, Projektmitarbeitenden und die Landtagsabgeordnete Lena-Sophie Laue diskutierten und bewerteten die Zwischenberichte aus dem dreijährigen Projekt im Handlungsfeld Pflege und Wohnen. 

Schon jetzt zur Halbzeit wurden in über 160 Workshops 460 Pflegekräfte und Beschäftigte in Küche und Verwaltung, Reinigung und Hauswirtschaft in den 14 Mustereinrichtungen erreicht und schrittweise zu mehr Selbstwirksamkeit und Selbstorganisation in „Kreisen“ hingeführt. Die Teams vor Ort sollen möglichst viel selbst entscheiden, viele Führungsaufgaben selbst übernehmen und werden durch ihre Führungskräfte neuerdings begleitet, die bei vielen Fragen nur noch eine Stimme im Team haben. Die Umorganisation der gesamten Dachstiftung Diakonie zu einem kollegial geführten Unternehmen (KGU) findet parallel statt, ist aber im Handlungsfeld Pflegend Wohnen durch klassisch hierarchische Strukturen und die Rahmenbedingungen besonders aufwändig und für viele Mitarbeitende mit den neuen Methoden zunächst mal besonders fernliegend. 

Der in Fachkreisen bekannte Pflege-Experte Professor Dr. Heinz Rothgang aus Bremen lobte den Ansatz bei den Mitarbeitenden: „In diesem Projekt werden Chancenbereitschaft und Chancenfähigkeit am richtigen Punkt angesetzt“, so Rothgang. Anna Leonhardi, Geschäftsführerin im Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP), meinte: „Sie machen das Richtige – einfach anfangen“. Sie hoffe auf eine Regel-Implementierung von solchen selbstreflektierenden Schulungen, wie sie hier im europäischen Rückenwind³-Projekt durchgeführt werden. Zwei Drittel der Altenhilfeträger hätten ihre Angebote in den letzten Jahren wegen Personalmangel und anderer Rahmenbedingungen reduziert, obwohl das Gegenteil nötig sei. Rothgang ergänzte, es seien 150.000 Pflegepersonen bis 2030 zusätzlich nötig. Geschehe nichts könnten 2049 bis zu 690.000 Pflegebedürftige nicht mehr ordentlich versorgt werden. Man müsse alle Maßnahmen zugleich ergreifen und sich nicht zu viel von ausländischen Fachkräften erhoffen, so der Gesundheitsökonom weiter. Dr. Matthias Ernst vom Medizinischen Dienst meinte, viel Geld werde das Problem nicht lösen. Er lobte beim Projekt den Perspektivwechsel, der ein neues Verständnis von Verantwortung und Wertschätzung mit sich bringe. „Das macht was mit den Führungskräften und das muss man mitdenken“. Laurin Jahns von niedersächsischen Gesundheitsministerium begeistert vor allem die Pflege-Influencerausbildung im Projekt. „So sehen die Menschen den Alltag in der Pflege“, sagte sie.  

Die Fachleute wünschten sich für den eineinhalbjährigen Projektfortgang eine noch stärkere Fokussierung auch auf die Bewohnenden und Angehörigen. Unter den Teilnehmenden war vor allem die Sorge, wie nach dem Projekt der Prozess hin zum KGU in der Pflege weitergehen könnte. 

Pflegekraft bürstet der älteren Frau im Rollstuhl die Haare

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